Populismus gut erklärt

Elsbeth Wallnöfer ist mir als streitbare, sehr unkonventionelle Trachtenexpertin ein Begriff. Ihre diesbezügliche Radikalität habe ich oft auch – um es etwas bös zu formulieren – auch als Teil ihrer Marke interpretiert. Das getraue ich mich zu behaupten, haben wir von der ArGe Volkstanz in Südtirol und noch mehr von der österreichischen BAG mit dem Trachtenphänomen schon in den Nuller-Jahren auseinandergesetzt. Und zwar auf recht kritischer Weise, auch an bisher unreflektiert tradierter Quasidogmen rüttelnt.

Abb. 1: Artikel in der „FF“ Nr 11 2025.

Desto angenehmer war ich überrascht, als ich untigen Artikel in der Wochenzeitschrift „FF“ gelesen habe. Dort erklärt sie sehr verständlich das akut gewordene Problem des politischen Populismus. Dabei vergisst sie nicht auch den zur Zeit weniger grassierenden, aber trotzdem auch existierenden Linkspopulismus zu nennen. Das Interview weckt daher die Neugierde auf das Buch.

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«In der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe»

Thomas Bernhard bringe ich ganz stark mit meinem studienbedingtem Wiener Aufenthalt in Verbindung. Ihm, direkt und indirekt, verdanke ich eine geistige Öffnung, mit der man sicher nicht prahlen kann, aber wie ich sie vorher nicht gekannt hatte. Deshalb war es für mich auch ein bewegender Moment, als wir im Sommer 2022 auf seinem Hof in Ohlsdorf eine Führung bekamen und danach auch ein ausführliches Gespräch mit seinem Bruder und dessen französichstämmigen Frau möglich war. Am Ende tauschten wir Wein mit Buch. Angeleitet durch das sehr aufschlussreiche Buch von Harald Schmitt (Vorstellung im ORF-Kultur-Beitrag unten) aßen wir auch Tafelspitz im Gmundner Hotel Schwan.

Im Winter darauf frühstückten wir wir in Wien nicht nur in einem seiner Lieblingscaffés, dem Bräunerhof, sondern besuchten auch seine Grabesstätte im Grinziger Friedhof. Eigentlich waren wir auch dort, um das Grab von Josef Kinsele zu suchen, aber das war gerade ein paar Jahre vorher aufgelassen worden. Klingt offensichtlich nach billigem Fantourismus, ist es auch, aber es war ja eigentlich nur eine Abrundung der Beschäftigung mit dem Autor, hatte ich doch einige seiner Werke gelesen, manche, wo es ganz von alleine ging („Alte Meister“), andere, wie „Frost“, die ich mir hart erarbeiten musste. Und dann sind ja noch seine Theaterstücke; die meisten habe ich in Wien gesehen, aber auch in Meran und Neumarkt (den dort beeindruckenden „Theatermacher“ auch an anderen zwei Spielstätten).

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«Tot ohne Gott»

Davon dass ich dieses Buch vom deutschen Philosophen Franz Josef Wetz sehr intensiv „belesen“ habe, zeugen schon die unzähliche Mehrzettel, die ich befügt habe. Das wäre ein E-Reader wieder einmal sehr praktisch. Aber so wie ich mich kenne, würde ich die papierenere Ausgabe dann zusätzlich kaufen. Was für den Buchhandel und schlussendlich für die Kulturschaffenden ja auch von Vorteil wäre…

„Ein trauriger Naturalist“, ja, darin habe ich mich wiedergefunden. Auf dieses Buch bin ich deshalb gestoßen, da ich mehr oder weniger regelmäßig das Philosophische Radio des WDR 5 als Podcast höre. Auch wenn die einzelnen Titel nicht immer interessant klingen, es war immer ein Zugewinn. der Moderator Jürgen Wiebicke macht es auch immer sehr gut, ohne ihn wäre die Sendung nicht die, welche sie jetzt geworden ist.

Nachdem eben dieser Beitrag für mich so wichtig war, habe ich ihn als Audio-Datein eingefügt:

In diesem Beitrag verwendete Literatur- und Bildquellen:

Wetz, F. J. (2021). Tot ohne Gott: eine neue Kultur des Abschieds (Dritte Auflage). Alibri Verlag.

«Der futurologische Kongress»

Das Buch von Stanisław Lem (1921-2006) haben Monika und ich von ihrem Neffen Lorenz zu Weihnachten geschenkt bekommen. Es reiht sich ein in andere distopysche Romane, welche ich aber vor längerer Zeit gelesen habe.

Ich muss schon sagen, dass ich mir am Anfang sehr schwer getan habe. Ich hatte mir auch war anderes erwartet, ein Buch , das eher den ersten beiden hinsichtlich Erzählstil gleichen würde. Hingegen konnte ich mit dieser phantastischen Sprache, nennen wir sie einmal so, welche im ersten Teil verwendet wird, gar nichts anfangen. Mich erinnert sie an Gabriel García Márquez. Dieser bediente sich meisterhaft des Magischen Realismus – er war ja auch Literaturnobelpreisträger – , aber gute Leseerinnerungen, ich laß Das Leichenbegräbnis der großen Mama und andere Erzählungen, verbinde ich mit ihm nicht.

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Das Ertragsgesetz

Nur in der Landwirtschaft anwendbar?

Unter dem, was mir von der Betreibswirtschaftslehre geblieben ist, nimmt das Gesetz des abnehmenden Grenzertrags eine prominente Stelle ein. Es wird, m.E. etwas weniger aussagekräftig, auch Ertragsgesetz genannt. Dass wir es Turgot (1727-1781), einem französischen Ökonomom der Aufklärung zu verdanken haben, erinnere ich mich auch.
Sei es Wikipedia wie INOMICS oder die Uni Münster erklären diese Produktionstheorie sehr gut .

Abb. 1: Bei gleichem Einsatz wird der Mehrertrag immer kleiner, bei Düngung, um beim Beispiel Landwirtschaft zu bleiben, kann er sogar negativ werden: überdüngte Böden sind weniger produktiv. Quelle: „Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag“ in INOMICS, Economics Terms A-Z – Die wichtigsten Fachbegriffe der VWL.

„Findet beim Ackerboden eine Bearbeitung statt, wird der Ertrag größer; durch eine zweite und dritte Bearbeitung wird der Ertrag nicht nur verdoppelt und verdreifacht, sondern vervierfacht und verzehnfacht. Der Ertrag steigt in einem viel stärkeren Verhältnis als der Aufwand bis zu einem gewissen Punkt, in dem der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand maximal ist. Wenn dieser Punkt überschritten wird, steigt zwar der Ertrag auch noch … und wird immer geringer, bis infolge der erschöpften Fruchtbarkeit des Bodens auch künstliche Maßnahmen nichts mehr hinzufügen können…“.

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«Grün kaputt»

Es gibt nur wenige Publikationen, die mich in meiner visuellen Empfindsamkeit so innerlich berührt haben wie dieses 1985 erworbene Buch. Es erschien als Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die 1983 großes Aufsehen erregte und viele Besucher anzog.

Als ich in der Wiener Buchhandlung zum ersten Mal darin blätterte, fand ich mich sofort wieder, ich war geradezu gefesselt von den bildlichen Gegenüberstellungen. Alles, was die Umwelt prägt und in mir Wohlgefallen einerseits oder Missfallen andererseits auszulösen vermag, war darin zu finden. Und immer auch textlich perfekt auf den Punkt gebracht. Das erste Mal wurde ich in meinen Eindrücken ganz offensichtlich von Fachleuten bestärkt, ich hatte mir also die Summe meiner Eindrücke über die Jahre nicht eingebildet, wie man so schön sagt, sondern da steckte mehr dahinter.

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Zwei Spuren und zwei Schienen

Heute schreibe ich mir ein Ärgernis aus der Seele. Und zwar geht es um die MeBo, die vierspurige Schnellstraße Meran Bozen, 1997 in ihrer Gesamtlänge eröffnet. Und zwar bin ich – und noch ein paar andere, welche die Debatten vor Baubeginn bewusst miterlebt haben und über ein Erinnerungsvermögen verfügen –, es satt, dass man immer wieder,, bei jeder Gelegenheit, gebetsmühlenhaft, sich anhören muss: „Ja, ja, die MeBo, was täten wir ohne sie!“ Und jetzt kommt es richtig dick: „Wie konnte man damals nur dagegen sein.“

Dabei sind diese nonchalant hingeworfenen Behauptungen, welche mit zunehmenden zeitlichen Abstand immer häufiger werden, nicht nur Halbwahrheiten, sondern sind auch diskreditierend. Erstens, weil die MeBo in dieser Form nicht nur Probleme gelöst, sondern auch welche verlagert, ja sogar begründet hat, und weil in den Protestkundgebungen nie die Forderung laut wurde, man möge doch auf eine neue Straßenverbindung der beiden größten Städte Südtirols verzichten. In weiser Voraussicht waren sich die Protestierenden aber einig, dass es nicht nur darum gehen könne, die Dörfer des Etschtales vom Durchzugsverkehr zu befreien und die beiden Städte mit dem Auto schneller zu verbinden, sondern dass auch der öffentliche Verkehr, in diesem Fall die Bahn, als Alternative konkurrenzfähiger ausgebaut gehört.

Abb. 1: Nicht GEGEN sonder FÜR eine ANDERE MeBo. Auszug aus der Broschüre des „Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol“ (wie fast immer auf die Abbildung klicken um die Darstellung zu vergrößern).

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